Aus Liebe wurde Leben

Endlich war es soweit. Es war der 29. Mai 2010 und wir planten seit einiger zeit ein zweites Baby zu bekommen. Ich kannte meinen Zyklus ganz genau. Ich hatte ein starkes ziehe im Unterleib und wusste dass mein Eisprung heute stattfinden würde. Wir stellten uns darauf ein und liebten uns am Abend. Wir warteten Tag für Tag. Bis an dem Tag als ich meine Regel bekommen sollte. Doch sie blieb aus. Ich freute mich innerlich so sehr und wartete weitere 4 Tage auf meine Menstruation. Sie kam nicht. Wir entschieden uns einen Test zu machen. Wir holten in der Apotheke einen digitalen Schwangerschaftstest der nicht nur anzeigte ob wir schwanger waren sondern auch wie lange schon. Ich ging auf die Toilette und machte den Test, lief zurück ins Wohnzimmer, legte den Test auf den Tisch und nahm Marco an die Hand. Die Eieruhr auf dem Display lief und lief. Wir warteten voller Spannung bis die Eieruhr verschwand. Plötzlich erschien schwanger 2 - 3 Woche. Oh mein Gott. Wir waren schwanger. Ich wusste es. Wir konnten unsere Tränen nicht mehr zurückhalten und lagen uns voller Freude in den Armen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht welcher Schicksalsschlag uns treffen sollte.

 

Die nächsten Wochen verliefen problemlos bis ich plötzlich in der 12 ssw Blutungen bekam. Wir fuhren zur Frauenärztin die mich auch sofort untersuchte. Sie sagte uns dass mit dem Baby alles in Ordnung sei. Sie hatte jedoch noch eine leere Fruchthöhle gesehen. Ich war mir nicht sicher was sie mir damit sagen wollte. Sie meinte dass es sein kann dass unser Baby ein Zwilling ist, der andere sich aber nicht einnisten konnte und somit eine leere Fruchthöhle entstand die jetzt abgeht und dass das die Blutungen sind. Ist schon ein trauriger Gedanke zu wissen dass es eigentlich hätten zwei Babys werden sollen. Trotzdem freuten wir uns dass mit dem Babay alles in Ordnung war. Die Ärztin untersuchte das baby nochmal genau und sagt dann dass die Nackenfalte sehr auffällig sei und sie in der nächsten Woche eine Nackenfaltemessung machen wolle mit Blutuntersuchung um sicher zu gehen. Der Termin war gekommen und es war alles in Ordnung, gott sei dank. Um für alle Fälle auf nummer sicher zu gehen wollte sie in der 22 ssw noch ein Organultraschall machen lassen. Den Termin machten wir im EKO Oberhausen. Nach langem warten waren wir dann endlich dran. Ich nahm auf der Liege platz und freute mich, denn das Ultraschallgerät war viel moderner und wir konnten unser Baby noch viel deutlicher sehen. Die Ärztin fing an zu schallen und an zu messen, ich bemerkte wie sie ruhiger wurde und lediglich verstummte. Bis sie irgendwann sagte sie könnte das rechte Bein nicht richtig darstellen und wir sollten eine viertel Stunde spazieren gehen damit sich das Baby dreht und dann nochmal nachsehen. Wie Bitte??? Sie kann das Bein nicht darstellen? Wir gingen hinaus und liefen den Flur auf und ab, bis ich wieder ins Behandlungszimmer durfte. Sie fing wieder an zu schallen und sagt einfach nichts. Ich konnte es kaum noch aushalten. Sie sagte dann nach langer zeit dass es ihr sehr leid tut aber unser Baby hat auf der rechten seite keinen Oberschenkel, Schienbein ist vorhanden, Wadenbein stark verkürzt und dazu noch einen Klumfuß. Zack. Da standen wir nun. Ich fragte sie ob sie nicht nochmal nachsehen könnte. Sie sagte dass sie sicher wäre. Und dass ein Abbruch möglich wäre, allerdings wird das Baby dann in Mutterleib getötet und ich müsste es tot gebären. Achso und es wird ein Mädchen. So, sie sind dann fertig. Der nächste bitte. Wir fingen bitterlich an zu weinen und nahmen uns in den Arm. Für uns brach eine Welt zusammen. Ein behindertes Kind. Warum wir? Wir konnten uns mit diesem Ergebnis nicht anfreunden und machten nochmal einen Termin Zum Organultraschall in dem Praenataldiaknostikzentrum Düsseldorf. Als der Termin endlich stattfand hat uns Frau Dr. Fröhlich, eine tolle Frau muss ich an dieser Stelle sagen, herzlich in Empfang genommen. Wir hofften innerlich dass doch noch ein anderes Ergebnis dabei heraus kam. Doch auch sie stimmte dem zu. Sie griff zum Telefon und machte für uns einen Termin bei einer Psychologin. Wir konnten den Termin innerhalb der nächsten halben Stunde wahrnehmen. In der zwischenzeit rief Frau Dr. Fröhlich einen Humangenetiker an und faxte unsere Unterlagen mit ihren Ergebnissen zu ihm. Er sollte sich diese ansehen um uns dann zu sagen ob er einer Fruchtwasseruntersuchung zustimmen würde. Er lehnte diese aber ab weil alles andere bei dem Baby in Ordnung ist und das Risiko zu groß sei für diese Untersuchung. Nach dem Termin bei der Psychologin hat uns Frau Dr. Fröhlich über den Humangenetiker in Kenntnis gesetzt und uns gleichzeitig einen Termin in der Uniklinik Düsseldorf bei Herrn Professor Dr. Krauspe Chef der Kinderorthopädie gemacht. Wir sollten erstmal nach Hause fahren, alles um uns herum vergessen und den Termin in der Uniklinik wahrnehmen um zu wissen was für Möglichkeiten es bei so einer Behinderung gibt. Welche Entscheidung wir letzendlich treffen würde bei uns liegen und niemand würde uns einen Vorwurf machen, egal wie wir uns entscheiden. Niemand konnte uns diese Entscheidung abnehmen.

 

Der Termin stand also bevor und wir fuhren zur Uni Düsseldorf. Herr Professor Dr. Krauspe sah sich unsere Unterlagen an und sagte dass er diese Behinderung schon öfter therapiert hat und dass es viele Möglichkeiten gibt. Wir würden es nicht bereuen die kleine zu bekommen. Ich fragte ihn dann noch ob unsere kleine denn jemals laufen wird. Er sah uns mit großen Augen an und sagte, na klar, sie wird mit ihrem gesunden Bein laufen. So weit so gut. Wir fuhren zu meiner Mutter um Lilly abzuholen und als wir dort ankamen rannte Lilly mir aus dem Wohnzimmer entgegen, ich sackte auf die Knie, nahm sie in den Arm und fing an zu weinen. Ich sah in Lillys wunderschönen Augen und sah dann Marco an, von diesem Moment an wussten wir, unser Baby hat ein Recht auf Leben. Bis zum Ende der Schwangerschaft verlief alles problemlos und wir freuten uns auf unseren Fussel.